Phthalate (Weichmacher)

  • Phthalate (Ester der Phthalsäure) gehören zur Stoffgruppe mit endokriner Wirkung, d.h. sie wirken auf die Hormone eines Organismus und können damit deren eigentliche Wirkungen stören. Dies kann alle durch Hormone gesteuerten Prozesse im Organismus betreffen, je nach Wirkung des Endokrins, z.B. die Fortpflanzung, Entwicklung, den Stoffwechsel, die Verdauung und das Wachstum des Organismus sowie das eines Embryos. Phthalate werden überwiegend von der Industrie als Weichmacher eingesetzt, z.B. in Weich-PVC.[1] Die größten Endnutzer des Weich-PVC sind nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA): [2]

    • Bauindustrie (Kabel, Schläuche, Fußbodenbeläge, Folien, Tapeten),
    • Elektro- und Kabelindustrie (Ummantelung von Kabeln und Leitungen),
    • Automobilbau (Unterbodenschutz, Innenraumverkleidungen, Dichtungen),
    • Sport- und Freizeitartikel.

    Phthalate gehören zu den sog. schwer flüchtigen Stoffen. Sie werden als äußere Weichmacher von Kunststoffen eingesetzt, d.h. sie gehen zwar eine physikalische Bindung mit dem Trägerkunststoff ein, sind aber kein Bestandteil von diesem. Somit werden sie durch Ausgasung und Auswaschung nach und nach, langsam wieder in die Umwelt freigesetzt.[1] Dort können sie auch wieder nachgewiesen werden. So finden sich Phthalate auch im Schnee und Eis der Antarktis in geringen Konzentrationen. Und auch im Hausstaub sind sie nachweisbar.[2] Ihr Einsatz erhöht die Wasserverträglichkeit und Alterungsbeständigkeit von Kunststoffen und wird deshalb überall dort eingesetzt, wo besondere Witterungsbedingungen erwartet werden oder Dauerhaftigkeit erwünscht ist, z.B. bei Funktions- bzw. Outdoorkleidung, PVC-Böden.[1][2] Somit können vor allem in geschlossenen Räumen die Phthalat-Konzentrationen sehr hoch sein.[2]


    Menschen nehmen Phthalate über die Nahrung, die Atemluft oder die Haut auf. Neben medizinischen Artikeln aus Kunststoff (z.B. Blutbeutel oder Schläuche), können auch Nahrungsmittel mit Umverpackungen Phthalate aufnehmen. Vor allem Babys und Kinder sind gefährdet.[2]

    Die am Häufigsten eingesetzten Weichmacher sind Di-„isodecyl“-phthalat (DIDP) und Di-„isononyl“- phthalat (DINP). Das Umweltbundesamt (UBA) sieht für den Einsatz der beiden Stoffe keine Risiken. Es gilt jedoch ein Verbot für den Einsatz der Stoffe bei Kinderspielzeug und Babyartikeln.[2]


    Zwei zugelassene Stoffe mit Hinweise auf endokrine Wirkungen sind Benzylbutylphthalat (BBP) und Dibutylphthalat (DBP). BBP und DBP sind akut toxisch für Algen und höher entwickelte Landpflanzen sowie für alle untersuchten höheren Organismen wie Fische, Ratten, Vögel und Meerschweinchen. Die meisten Effekte sind reproduktionstoxischer Natur, beispielsweise Eischalenverdünnung, Verminderung von Spermienproduktion und Hodengröße.[1] In Kinderspielzeug und Babyartikeln ist der Stoff EU-weit verboten.[2] Die Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft haben unter anderem DBP und BBP im Jahr 2008 für Menschen als wahrscheinlich reproduktionsschädigende Stoffe eingestuft.[3]

    Einzelnachweise
    1. a b c d H. Eckhardt (2013): Endokrine Stoffe in: unveröffentl. Skript der Vorlesung Umweltchemie und Labor der Hochschule RheinMain im WS 14/15
    2. a b c d e f g Umweltbundesamt (UBA 2007): Phthalate - Die nützlichen Weichmacher mit den unerwünschten Eigenschaften.3540.pdf (Zugriff am 28.11.2020)
    3. VERORDNUNG (EG) Nr. 1272/2008 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 16. Dezember 2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, zur Änderung und Aufhebung der Richtlinien 67/548/EWG und 1999/45/EG und zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006

    Details

    vegan?
    ja

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